16.03.2016

Trend: Netz




Genaue Angaben über den Ursprung der Netzstrumpfhose verlaufen sich im Dunklen. Auch wenn sich bei ihrem Anblick direkte Zusammenhänge mit den Cancan Tänzerinnen der Belle Époque schließen lassen könnten, findet man keine Hinweise darauf, dass die Netzstrumpfhose damals "en vogue" war - weder im Kabarett noch auf dem Laufsteg. Dies trat erst Jahrzehnte später ein.

Nicole Kidman trug die verruchte Beinbekleidung im Musical-Film "Moulin Rouge", auch wenn die echten Tänzerinnen in dem Varieté im 19ten Jahrhundert blickdichte Strumpfhosen trugen, wie es diverse Bilder und Fotografien belegen. Und selbst ein Blick über den Atlantik - genauer gesagt nach New Orleans - zeigte, dass zu dieser Zeit leichte Mädchen mit auffällig, vertikal gestreiften Strumpfhosen auf Männerjagd gingen. Von der Netzstrumpfhose keine Spur.




Im Jahr 1900 zeigte dann eine Werbeanzeige in einer französischen Tageszeitung einen einzelnen Netzstrumpf - oder zumindest einen Strumpf mit einem rautenförmigen Muster - zusammen mit 6 anderen Modellen, welche alle dekorativ mit Stickereien, Spitzeneinsätzen und diversen Mustern (Herzen, Bänder, Blumen, Schlange etc.) verziert waren. 

Bis zum Ende der Viktorianischen Ära zeigte die anständige Frau kein Bein, was dem Erwerb von Strümpfen einen illegalen Stempel verlieh. Doch spätestens in den 20ern sollten Stümpfe und Strumpfhosen von ihrem eintönigen Dienst als Wärmer erlöst werden und ihren Auftritt als begehrtes Fashion Accessoire feiern - denn die Devise lautete in dieser von Stil besessenen Dekade: Bein zeigen!




Gypsy Rose Lee, Königin des Burlesque und die berühmteste Stripperin der 1930er und ’40er trug sehr oft Netz, ob als Strumpf oder Strumpfhose. Bekannte Illustratoren dieser Zeit widmeten sich erotisierender Frauen in Netzstrumpfhosen. Auch gab es Hinweise, dass die Netzstrumpfhose - genau wie die Tigh-High Boots - oft in Zusammenhang mit "Whip Girls" (Dominas) stand. Mit den ’50ern räkelten sich Pinup Models, wie Bettie Page, ganz selbstverständlich in Netz, aber auch die blickdichte, schwarze Strumpfhose kam wieder vermehrt zum Einsatz.

In den 60ern angekommen, verloren die Röcke an Länge und die sexuelle Revolution wurde ausgerufen. Junge Frauen zeigten sich freizügig wie nie und die Netzstrumpfhose wurde in einer breiten Palette von Farben ausgeführt, um Verspieltheit zu symbolisieren und sich vom spießigen klassischen Schwarz zu distanzieren.




10 Jahre später, mit dem Aufkommen des Punk in den 70ern, wurde die schwarze Netzstrumpfhose zu einem zentralen Vorboten der subkulturellen Devianz. Punks und Gruftis machten die schwarzen Netzstrumpfhosen zu ihrem Erkennungsmerkmal und fügten ihrem Stil Fetisch-Stücke wie Korsett, Latex und Leder hinzu.

Seit den 80er und 90er Jahren ist die Netzstrumpfhose in der Mode und Gesellschaft vollkommen etabliert und zeigt sich sporadisch trendartig, ohne großartige Zugehörigkeit. Auch zur diesjährigen Fashion Week in Paris finden wir wieder hübsch benetzte Damen wie z.B. Moderedakteurin Giovanna Battaglia auf dem unteren Schnappschuss von collagevintage.com und freuen uns auf einen ausgereiften, vielfältigen Trend, welcher eine unkomplizierte Weitmaschigkeit zelebriert.
 







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